Schwedenkräuter-Balsam selber machen: Rezept und Anleitung für die Kräutersalbe
Schwedenkräuter-Balsam selber machen heißt: Du ziehst eine getrocknete Schwedenkräuter-Mischung in Pflanzenöl aus, seihst das Öl ab und verbindest es mit Bienenwachs zu einer streichfähigen Salbe. Mit einem kleinen Topf, einem Tuch zum Abseihen und ein paar sauberen Tiegeln hast du an einem Nachmittag einen Kräuterbalsam für die eigene Hautpflege. Hier bekommst du das Rezept, die Mengen und die Punkte, an denen selbst gemachte Salben gern schiefgehen.
Du suchst eher, wofür der Balsam traditionell verwendet wird und wie man ihn aufträgt? Das steht ausführlich in Schwedenkräuter-Balsam: Anwendung und Anwendungsgebiete. Hier geht es ums Selbermachen.
Was ist ein selbst gemachter Schwedenkräuter-Balsam?
Gekaufter Schwedenkräuter-Balsam ist meist eine Creme: eine Emulsion aus Wasser, Ölen, Buttern und zahlreichen Pflanzenextrakten, dazu Konservierungsstoffe, damit sie im Bad nicht verdirbt. So etwas lässt sich in der Küche kaum nachbauen. Was du zu Hause gut hinbekommst, ist die klassische Salbe: Kräuteröl plus Wachs, ohne Wasser. Sie ist fester als eine Creme, zieht langsamer ein und braucht keine Konservierung, weil Keime ohne Wasser schlecht wachsen.
Die Kräuterseite übernimmt die Schwedenkräuter-Mischung, also dieselbe getrocknete Mischung, aus der man sonst Schwedenbitter selbst ansetzt. Nach der Rezeptur, die Maria Treben bekannt gemacht hat, stecken darin unter anderem Angelikawurzel, Zitwerwurzel, Myrrhe, Eberwurz, Safran, Kampfer und Aloe oder ersatzweise Wermut oder Enzianwurzel. Im Öl landen vor allem die fettlöslichen Aromastoffe, deshalb riecht der Balsam später würzig und leicht kampferartig.
Ein selbst gemachter Balsam ist eine Pflegesalbe für die Haut. Er ist kein Arzneimittel, und für Beschwerden, die über trockene oder beanspruchte Haut hinausgehen, ersetzt er keinen Arztbesuch.
Welche Zutaten brauchst du?
Die Mengen unten ergeben ungefähr drei Tiegel zu 50 g. Für das Verhältnis von Öl und Wachs nimmst du die Faustregel, die der Schweizer Rundfunk SRF für selbst gemachte Salben nennt: 10 g Bienenwachs auf 100 ml Öl. Die Kräutermenge haben wir uns beim SRF-Rezept für Ringelblumensalbe abgeschaut: 10 g Blüten auf 100 ml Öl.
| Zutat | Menge | Wofür |
|---|---|---|
| Schwedenkräuter-Mischung, getrocknet | 10 g | Kräuterauszug, Duft |
| Pflanzenöl (z. B. Olivenöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl) | 100 ml | Grundlage, Lösungsmittel für den Auszug |
| Bienenwachs (Pastillen) | 10 g | macht die Salbe fest |
| optional: getrocknete Ringelblumen- oder Kamillenblüten | ein Teil der Kräutermenge | milderer Duft, klassische Hautpflege-Kräuter |
| optional: Wollwachs (Lanolin) | ein kleiner Teil des Wachses | nimmt etwas Flüssigkeit auf, macht die Salbe geschmeidiger |
Zum Werkzeug gehören ein kleiner Topf oder ein Wasserbad, ein feines Baumwolltuch oder ein Teesieb, ein Glas oder Messbecher, ein Löffel und Tiegel aus Braunglas oder Metall. Spül alles vorher gründlich und lass es gut trocknen. Das ist keine Pedanterie: Laut SRF-Anleitung lassen Küchenkeime eine Salbe sonst schnell schimmeln.
Statt der ganzen Ansatzmischung kannst du auch nur einen Teil davon nehmen und den Rest mit Ringelblume oder Kamille auffüllen. Das ergibt einen weicheren, weniger kampferbetonten Duft. Ringelblumen-Salbe ist ohnehin ein Klassiker für trockene Haut, mehr dazu in unserem Beitrag über Ringelblumenbalsam.
Wie stellst du den Ölauszug her?
Der Ölauszug ist das Herz des Balsams, und dafür gibt es zwei Wege: einen schnellen und einen geduldigen.
Warm ausziehen (schnell): Das Öl im Topf sanft erwärmen, die Kräuter hineingeben und bei kleiner Hitze ziehen lassen. In der SRF-Anleitung sind es etwa 10 Minuten. Wichtig ist, dass das Öl nie zu sieden beginnt. Zu heißes Öl verbrennt die Kräuter, riecht danach unangenehm und wird schneller ranzig. Wenn du kein Gefühl für die Temperatur hast, nimm ein Wasserbad, dann kann nichts überhitzen.
Kalt ausziehen (langsam): Kräuter in ein sauberes Schraubglas geben, mit Öl bedecken, verschließen und einige Wochen an einem warmen Ort stehen lassen. Ab und zu schütteln. Die Kräuter müssen dabei immer vollständig mit Öl bedeckt sein, Pflanzenteile, die herausragen, können schimmeln. Diese Methode ist sanfter und bei Kräuterfreunden beliebt, braucht aber Geduld.
Egal, welchen Weg du nimmst: Danach seihst du das Öl durch das Tuch ab. Drück die Kräuter gut aus, in ihnen steckt noch viel Öl. Bleiben feine Schwebteilchen im Öl, lass es eine Weile stehen und gieß es vorsichtig vom Bodensatz ab.
Natur-Buddy-Tipp: Wiege das abgeseihte Öl kurz nach. Ein Teil bleibt immer in den Kräutern hängen. Das Wachs rechnest du dann auf die Ölmenge, die wirklich übrig ist, sonst wird die Salbe zu fest.
Schritt für Schritt: vom Kräuteröl zum Balsam
- Öl abmessen: Das abgeseihte Kräuteröl zurück in den sauberen Topf oder ins Wasserbad geben.
- Wachs dazugeben: Bienenwachs im Verhältnis von etwa 1 zu 10 zum Öl hinzufügen, bei 100 ml Öl also rund 10 g.
- Sanft schmelzen: Bei kleiner Hitze rühren, bis sich das Wachs vollständig aufgelöst hat. Nicht kochen lassen.
- Konsistenz testen: Einen Tropfen auf einen kalten Teller oder Löffel geben. Nach ein paar Sekunden siehst du, wie fest die Salbe wird. Zu weich: etwas Wachs nachgeben. Zu fest: einen Schuss Öl dazu.
- Abfüllen: Die flüssige Salbe in die sauberen Tiegel gießen.
- Abkühlen lassen: Die Tiegel offen stehen lassen, bis die Salbe fest ist. Erst dann den Deckel aufschrauben. Wer zu früh verschließt, riskiert Kondenswasser unter dem Deckel, und dann riecht die Salbe bald muffig.
- Beschriften: Inhalt und Herstellungsdatum auf jeden Tiegel schreiben.
Nach dem Erkalten ist die Salbe sofort benutzbar.
Kann man fertigen Schwedenbitter in eine Salbe rühren?
Diese Frage taucht oft auf, weil viele ohnehin eine Flasche Schwedenbitter im Schrank haben. Das geht nur eingeschränkt. Schwedenbitter ist ein Auszug in Alkohol und Wasser, und der mischt sich nicht mit Öl und Bienenwachs. Rührst du einen Löffel davon in die flüssige Salbe, sammelt er sich nach dem Erkalten in Tröpfchen oder setzt sich ab.
Wer es trotzdem probieren will, braucht eine Grundlage, die etwas Flüssigkeit aufnehmen kann. Dafür wird in Salbenrezepten gern Wollwachs (Lanolin) genommen. Bleib bei sehr kleinen Mengen Schwedenbitter und rechne damit, dass so eine Salbe nicht so lange hält wie eine wasserfreie, denn mit dem Wasseranteil steigt das Risiko für Keime. Für die meisten ist der Ölauszug deshalb der einfachere und haltbarere Weg.
Fertigen Schwedenbitter verwendet man äußerlich traditionell eher pur, zum Beispiel als Umschlag. Wie das geht, zeigt die Anleitung Schwedenbitter-Umschläge. Wie sich flüssiger Auszug und Balsam unterscheiden, erklärt Schwedenbitter oder Schwedenkräuter-Balsam?.
Selbst gemacht oder gekauft: was ist der Unterschied?
Ein Blick auf die Inhaltsstoffliste eines gekauften Schwedenkräuter-Balsams zeigt, warum sich die beiden kaum vergleichen lassen. Der Schwedenkräuter-Balsam nach Maria Treben, den wir auch im Sortiment führen, ist laut Inhaltsstoffliste eine Creme auf Wasserbasis mit Sheabutter, Jojoba-, Maiskeim- und Macadamiaöl und zahlreichen Pflanzenextrakten, darunter Enzian, Ringelblume, Kamille, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei, Thymian, Zitwer, Galgant und Kampfer.
| Selbst gemachter Balsam | Gekaufter Schwedenkräuter-Balsam | |
|---|---|---|
| Grundlage | Öl und Bienenwachs, ohne Wasser | Creme (Emulsion) mit Wasser, Ölen und Buttern |
| Kräuter | Ölauszug aus deiner Mischung | standardisierte Extrakte, viele verschiedene Pflanzen |
| Konsistenz | fest, schmilzt auf der Haut, zieht langsam ein | weich, zieht schneller ein |
| Haltbarkeit | etwa ein halbes Jahr | laut Packung, durch Konservierung länger |
| Kontrolle | du weißt genau, was drin ist | geprüfte, gleichbleibende Rezeptur mit Sicherheitsbewertung |
| Aufwand | ein Nachmittag | keiner |
Beides hat seinen Platz. Selbermachen ist schön, wenn du Freude an Kräutern hast und genau wissen willst, was in deinem Tiegel ist. Wenn du einfach einen gleichbleibenden Balsam zum Einmassieren suchst, ist der fertige Schwedenkräuter-Balsam bequemer.
Wie lange hält selbst gemachter Balsam und wie lagerst du ihn?
Laut SRF hält eine selbst gemachte Salbe etwa ein halbes Jahr. Das gilt für die wasserfreie Variante aus Öl und Wachs, die sauber abgefüllt wurde. Ein paar Dinge helfen dabei:
- Kühl und dunkel lagern. Braunglastiegel schützen das Öl vor Licht.
- Mit sauberen Fingern oder einem Spatel entnehmen. Jeder Fingerkontakt bringt Keime in den Tiegel.
- Kleine Tiegel abfüllen. Lieber drei kleine als einen großen, dann ist der Rest geschützt, während du einen Tiegel aufbrauchst.
- Sinnesprobe machen. Riecht die Salbe ranzig wie altes Öl, oder siehst du Flecken oder Schimmel, gehört sie in den Müll.
Mit einem Tropfen Vitamin-E-Öl (Tocopherol) bremsen manche das Ranzigwerden des Öls. Gegen Keime hilft das nicht, da kommt es allein auf saubere Arbeit an.
Worauf solltest du bei Sicherheit und Verträglichkeit achten?
Selbst gemachte Kosmetik ist unkompliziert. Ein paar Punkte solltest du trotzdem im Kopf haben:
Kampfer und kleine Kinder. Die Schwedenkräuter-Mischung nach Maria Treben enthält Naturkampfer. Für Zäpfchen mit Kampfer und anderen Terpenen hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) 2011 empfohlen und 2012 verbindlich festgelegt, dass sie bei Kindern unter 30 Monaten nicht angewendet werden dürfen, weil bei kleinen Kindern Krampfanfälle auftreten können. Das betrifft nur Zäpfchen, Einreibungen hat die EMA ausdrücklich ausgenommen. Es zeigt aber, wie empfindlich Babys und Kleinkinder auf Kampfer reagieren. Unsere Vorsichtsempfehlung: Einen kampferhaltigen Balsam verwendest du nicht bei Babys und Kleinkindern und nicht im Gesicht von Kindern.
Allergie gegen Korbblütler. Ringelblume und Kamille gehören zu den Korbblütlern. Die EMA-Monografie zur Ringelblume nennt eine Überempfindlichkeit gegen Korbblütler als Gegenanzeige. Wer darauf reagiert, lässt diese Blüten weg.
Erst testen. Trag ein wenig Balsam in der Armbeuge auf und warte einen Tag. Rötet sich die Haut oder juckt sie, verwende ihn nicht.
Nicht auf offene Haut. Auf offene Wunden, entzündete Stellen und Schleimhäute gehört eine selbst gemachte Salbe nicht. Bei Hautproblemen, die nicht von selbst verschwinden, ist eine Ärztin oder ein Arzt die richtige Adresse.
Schwangerschaft. Bei Kräuterzubereitungen mit Kampfer und kräftigen ätherischen Ölen sprichst du die Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit vorher mit deiner Ärztin oder Hebamme ab.
Darf man selbst gemachten Balsam verschenken oder verkaufen?
Für dich selbst und als kleines Geschenk an Freunde ist ein selbst gemachter Balsam kein Problem. Anders sieht es aus, wenn du ihn verkaufen möchtest, etwa auf einem Markt oder online. Dann gilt er als kosmetisches Mittel im Sinne der EU-Kosmetikverordnung 1223/2009. Sie verlangt unter anderem eine Sicherheitsbewertung durch eine qualifizierte Person, eine Produktinformationsdatei und eine Meldung im europäischen Notifizierungsportal, bevor das Produkt in den Handel kommt. Für Hobbyküchen ist das in der Praxis kaum zu stemmen. Und Heilversprechen auf dem Etikett sind ohnehin tabu.
Fazit
Schwedenkräuter-Balsam selber machen ist einfacher, als es klingt: Kräutermischung in Öl ausziehen, abseihen, mit Bienenwachs im Verhältnis von etwa 1 zu 10 schmelzen, abfüllen, fest werden lassen. Das Ergebnis ist eine würzig duftende Pflegesalbe für trockene, beanspruchte Haut und zum Einmassieren. Arbeite sauber, beschrifte die Tiegel und brauch die Salbe innerhalb von etwa sechs Monaten auf. Bei Babys und Kleinkindern lässt du sie wegen des Kampfers weg.
Wenn dich interessiert, wie Schwedenkräuter-Balsam traditionell angewendet wird und welche Erfahrungen Nutzer damit beschreiben, lies weiter in Schwedenkräuter-Balsam: Anwendung und Anwendungsgebiete.
Quellen
- SRF Wissen: Salben selbst herstellen (Mengen, Hygiene, Haltbarkeit): srf.ch
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Referral „Terpenic derivatives“, Kontraindikation für Zäpfchen bei Kindern unter 30 Monaten (2011/2012): ema.europa.eu
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Calendula officinalis L., flos (Rev. 1, 2018): ema.europa.eu
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel: eur-lex.europa.eu
- Burkl: Schwedenkräuter. Arbeit im Rahmen der Weiterbildung Ethnobotanik, Universität Zürich (2012), zu den Rezepturen nach Maria Treben: uzh.ch
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Häufige Fragen
Wie mache ich Schwedenkräuter-Balsam selbst? +
Eine getrocknete Schwedenkräuter-Mischung in Pflanzenöl ausziehen, das Öl abseihen, sanft erwärmen und Bienenwachs darin schmelzen. Die flüssige Salbe in saubere Tiegel füllen und erst verschließen, wenn sie fest geworden ist.
Wie viel Bienenwachs brauche ich für eine Kräutersalbe? +
Ein gängiger Ausgangspunkt sind 10 g Bienenwachs auf 100 ml Öl. Mehr Wachs macht die Salbe fester, mehr Öl macht sie weicher. Daraus werden ungefähr drei kleine Tiegel zu 50 g.
Kann ich fertigen Schwedenbitter in eine Salbe rühren? +
Nur in kleinen Mengen und mit einer Grundlage, die Flüssigkeit aufnehmen kann, etwa Wollwachs. Bienenwachs und Öl allein verbinden sich nicht mit dem alkoholischen Auszug, die Salbe trennt sich dann leicht.
Wie lange hält selbst gemachter Schwedenkräuter-Balsam? +
Eine wasserfreie, sauber hergestellte Salbe hält etwa ein halbes Jahr. Schreib das Herstellungsdatum auf den Tiegel und entsorge sie, wenn sie ranzig riecht oder sich Schimmel zeigt.
Für wen ist ein selbst gemachter Schwedenkräuter-Balsam nicht geeignet? +
Für Babys und Kleinkinder, weil die Mischung Kampfer enthält, und für Menschen mit bekannter Allergie gegen Korbblütler, wenn Ringelblume oder Kamille dazukommen. Auf offene Wunden oder Schleimhäute gehört er nicht.
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